Parodontitis ( Parodontose )
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass 2/3 aller Deutschen an verschiedenen Formen von Zahnfleischentzündung leiden und im Alter von 40 Jahren mehr Zähne durch Parodontitis verloren gehen, als durch Karies.
Die Parodontitis ("Parodontose") ist eine Erkrankung des Zahnhalteapparates, die mit Knochenabbau sowie zunehmender Beweglichkeit der Zähne einhergeht und ohne Behandlung zum Zahnverlust führt. Für Entstehen, Ausmaß und Verlauf der Krankheit sind eine Reihe unterschiedlicher Faktoren verantwortlich, weshalb Erscheinungsbild und Entwicklungsform der Parodontitis individuell verschieden sein können. Als Grundlage für eine speziell auf den Patienten abgestimmte Therapie und einen größtmöglichen Behandlungserfolg, muss Ihr Zahnarzt zunächst die genauen Ursachen der Erkrankung ermitteln. Zu diesen Faktoren gehören neben Rauchen, Mundhygiene, Allgemeinerkrankungen und Stress vor allem das Vorhandensein bestimmter Bakterienarten und das erblich festgelegte Risiko des Patienten für die Entwicklung einer Parodontitis.
Parodontitis wird durch Bakterien verursacht
In unserer Mundhöhle gibt es eine Fülle verschiedener Bakterien, die sich ständig auf der Zahnoberfläche ansiedeln. Die meisten dieser Bakterien sind keine Krankheitserreger, einige können jedoch insbesondere dem Zahnhalteapparat starken Schaden zufügen. Diese, als parodontopathogene Keime bezeichneten Bakterien vermehren sich besonders gut in tiefen Zahnfleischtaschen und produzieren Giftstoffe, die das den Zahn umgebende Weich- und Knochengewebe zersetzen: in der Folge kommt es zu einer erhöhten Beweglichkeit der Zähne und schließlich zum Zahnverlust. Die Entwicklung einer Parodontitis erfolgt nicht plötzlich, sondern geht vielmehr schleichend vonstatten und ist lange schmerzlos. Die mit den ungefährlichen Bakterien zunächst im Gleichgewicht stehenden Parodontitis-Keime können sich durch die Bildung immer tiefer werdender Zahnfleischtaschen stetig vermehren und die Zerstörung des Zahnhalteapparats vorantreiben (s. Abb.2).
Neue Erkenntnisse in der zahnärztlichen Forschung haben gezeigt, dass Verlaufsform und Therapie einer Parodontalerkrankung nicht nur durch das Vorhandensein und die Konzentration einzelner Keime bestimmt werden. Vielmehr kann auch das gemeinsame Vorkommen verschiedener Bakterien und die Interaktion zwischen diesen von maßgeblicher Bedeutung sein. So können Keime, in Konzentrationen, die einzeln betrachtet als harmlos eingestuft werden, durch Wechselwirkungen mit anderen Spezies bereits eine behandlungsbedürftige Situation ergeben.
Therapie der Parodontitis
Ziel einer Parodontitisbehandlung ist es, die Parodontitis-Bakterien zu beseitigen oder zumindest deutlich zu reduzieren. Dazu wird zunächst die verhärtete Bakterienschicht (Plaque) mit geeigneten Instrumenten von der Zahnoberfläche entfernt. Bei Anwesenheit bestimmter, besonders gefährlicher Keime ist diese Maßnahme alleine jedoch nicht ausreichend. Die Bakterien dringen tiefer in den Zahn und das umgebende Gewebe ein, wo sie vom zahnärztlichen Instrument nicht erfasst werden können. Sie verbleiben in der Zahnfleischtasche, vermehren sich sehr stark und der Entzündungsprozess schreitet trotz sorgfältiger Behandlung weiter voran. In solchen Fällen ist u. U. eine zusätzliche Antibiotikabehandlung notwendig, um die Bakterien abzutöten und damit die Parodontitis sicher zu stoppen.
Parodontitis ist erblich
Manche Patienten haben trotz exzellenter Mundhygiene, niedriger Bakterienbelastung und sorgfältiger Therapie eine nicht beherrschbare, ständig fortschreitende Parodontitis mit starkem Abbau des Kieferknochens. Solche Patienten haben überproportional häufig (> 50%) eine bestimmte Ausprägung des Immunsystems, die die Entstehung von Parodontalerkrankungen begünstigte. Die Ausprägung ist genetisch festgelegt und es wird bei positiven Patienten ein Bestandteil des Immunsystems, das Interleukin-1, verstärkt gebildet. Dadurch kommt es selbst bei geringen Bakterienmengen zu schweren Entzündungsreaktionen im Weich- und Knochengewebe, die zu einem starken Knochenabbau führen.
Liegt eine erblich bedingte Anfälligkeit für Parodontitis vor, muss der Patient einem individuellen Prophylaxe- und Therapieplan folgen, um die Entstehung der Erkrankung zu verhindern bzw. ihr Fortschreiten deutlich zu verlangsamen. Kommt nun ein weiterer Risikofaktor wie z.B. das Rauchen hinzu, so erhöht sich das Risiko noch einmal deutlich, wohingegen eine gute Mundhygiene dem Fortschreiten der Parodontitis entgegenwirkt. Bei genetisch positiven Patienten schreitet die Parodontitis deutlich schneller voran als bei einem genetisch negativen Patienten mit ähnlicher Mundhygiene. Wird ein positiver Patient bei guter Mundhygiene in ein spezielles Prophylaxekonzept eingebunden, so kann der Zahnhalteapparat über Jahre hinweg stabilisiert und der Zahnverlust aufgehalten werden.